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HANDREICHUNG FÜR DIE ARBEIT MIT LESBISCHEN FRAUEN, DIE GEWALT UND MISSHANDLUNGEN IN IHRER PARTNERSCHAFT VERÜBEN

Ziel dieses Projekts ist, eine Handreichung für Fachkräfte zur Verfügung zu stellen, die auf die Besonderheiten in der Arbeit mit lesbischen Frauen, die sich in Partnerschaft gewalttätig und missbräuchlich verhalten, eingeht. Um den betroffenen Frauen die notwendigen Ressourcen bereitstellen zu können, ist es notwenig, die Vielfalt von Frauen und ihre besonderen Lebensumstände näher zu beleuchten. Die Lebensumstände lesbischer Frauen sind auch von einer Gesellschaft beeinflusst, die nach wie vor der lesbischen Lebensweise ablehnend gegenüber steht. Infolge dessen werden lesbischen Frauen zahlreiche gesellschaftliche Ressourcen vorenthalten.

In Fällen von häuslicher Gewalt und Misshandlungen in lesbischen Beziehungen werden die Auswirkungen gesellschaftlicher Strukturen, die gleichgeschlechtliche Lebensweisen „ausblenden“, auf die Opfer und Täterinnen deutlich: Es gibt nur sehr wenige gesellschaftliche Ressourcen, die lesbischen Opfern und Täterinnen die notwendige Unterstützung zur Verfügung stellen. „Häusliche Gewalt“ wird in der Regel definiert als „physische, psychische und sexuelle Gewalt von Männern an Frauen“. Diese Definition ignoriert die Möglichkeit von häuslicher Gewalt in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Daher erhalten weder die Opfer noch die Täterinnen die notwendige Unterstützung. Die Opfer werden erneut viktimisiert und die Täterinnen sind nicht aufgefordert, ihr gewalttätiges und missbräuchliches Verhalten zu beenden.

Die Diskussionen um häusliche Gewalt in lesbischen Partnerschaften scheint ein gesellschaftliches Tabu zu berühren:  Die Vorstellung, dass Frauen gewalttätig und missbräuchlich handeln können. Diese Ansicht bricht mit traditionellen Vorstellungen von Frauen als mütterlich, fürsorglich und selbstaufopfernd. Auch wird die Annahme hinterfragt, dass Frauen Opfer und Männer Täter sind. Daher verweigert sich der Mainstream-Diskurs einer Debatte über Gewalt in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und stigmatisiert diese als ein zu vernachlässigendes Problem einer gesellschaftlichen Minderheit.

Nicht zuletzt stigmatisieren auch die lesbischen Subkulturen das Phänomen der häuslichen Gewalt, weil sie als „gesellschaftliche Randgruppe“ befürchten, dass das „Waschen schmutziger Wäsche“ in einer homophoben Gesellschaft Vorurteile gegenüber Lesben und Schwulen bestärken könnte.

Nichtsdestotrotz sind wir der Auffassung, dass gewalttätiges und missbräuchliches Verhalten in lesbischen und schwulen Partnerschaften benannt werden muss und Maßnahmen zur Prävention und Intervention ergriffen werden müssen. Lesbische Opfer bedürfen der angemessenen Unterstützung um ihr Leiden zu beenden und lesbische Täterinnen müssen die volle Verantwortung für ihr Handeln übernehmen.

Diese Handreichung beleuchtet die Vielfalt von Frauen. Es ist unsere Hoffnung, dass sie Fachkräfte und Ehrenamtler/innen – besonders innerhalb der lesbischen und schwulen Community -  darin ermutigt und bestärkt, die benötigte Unterstützung anzubieten.

Falls Sie sich von einem der auf dieser cd-rom angesprochenen Themen betroffen fühlen und weitere Informationen möchten oder aber der Unterstützung bedürfen, wenden Sie sich bitte an eine der unter Kapitel 12 aufgeführten Adressen.

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Gefördert von: und
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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