4. Forschung zu häuslicher Gewalt

Der Belgische Nationale Aktionsplan von 2004-2007 zur Bekämpfung häuslicher Gewalt hatte zum Ziel, statistische Daten zum Ausmaß häuslicher Gewalt zu sammeln. Neben Daten der Kriminalstatistik werden zusätzliche Daten aus dem medizinischen Bereich und von den Beratungseinrichtungen gesammelt. Zu Beginn des Nationalen Aktionsplans in 2004 hat die Belgische Kriminalpolizei im ersten Halbjahr 4.861 Fälle von beabsichtigter Körperverletzung zwischen Partnern dokumentiert.

1998 hatte Prof. Bruynooghe der Universität Limbourg eine Studie zu ehelicher Gewalt durchgeführt. 68,1% der interviewten Frauen gaben an, dass sie physische und sexualisierte Gewalt erlebt hätten. In 76% der Fälle von physischer Gewalt hat diese innerhalb der Familie stattgefunden und in 28% der Falle wurde sie vom Partner verübt. Eine von sieben Frauen im Alter zwischen 20 und 49 Jahren (13,4%) und einer von 40 Männern (2,3%) hat schwere körperliche und sexualisierte Gewalt durch den Partner/die Partnerin erlebt. Jede 5. belgische Frau gab an, dass wenigstens einen körperlichen Übergriff durch ihren Partner erlebt hat.

In 2004 haben Prof. Müller und Dr. Schröttle von der Universität Bielefeld in Deutschland eine repräsentative Studie über die Gewalterfahrungen von Frauen durchgeführt (Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland).  Mehr als 10.000 Frauen zwischen 16 und 85 Jahren wurden in 2003 befragt. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass 37% der Frauen körperliche Gewalt, 13% sexualisierte Gewalt im Sinne des Strafgesetzes, 58% sexuelle Belästigung und 42% psychische Gewalt erlebt haben. Zudem haben 23% der Frauen angegeben, in ihrer Beziehung körperliche Gewalt erlebt zu haben, 7% sexualisierte Gewalt und 25% physische oder sexualisierte Gewalt. Diese Daten zeigen, dass jede 2. bis 3. Frau in ihrem Erwachsenenleben physische Gewalt und jede 7. Frau sexualisierte Gewalt  erlebt. Mehr noch, jede 4. Frau zwischen 16 und 58 hat physische oder sexualisierte Gewalt in ihrer Partnerschaft erfahren. Zirka 33% der Fälle können als Misshandlungsbeziehung charakterisiert werden, d.h. dass die Gewalt wiederholt in einem längeren Zeitraum verübt wurde.

36% der Frauen gaben an, dass sie Gewalt 2-10mal erlebt haben; zirka ein Drittel sagte, dass das nur einmal geschehen sei. In 64% der Fälle hatten die Übergriffe physische Verletzungen zur Folge, beispielsweise Blutergüsse, Verstauchungen, Knochenbrüche, offene Wunden und Verletzungen am Kopf und im Gesicht.

Da weniger als 1% der interviewten Frauen angab, lesbisch zu sein, konnten keine Daten zu Gewalt in lesbischen Beziehungen erhoben werden.

 Eine Analyse von 10 unterschiedlichen Prävalenzstudien in UK zeigt, dass eine von vier Frauen in ihrem Leben Gewalt in der Partnerschaft erfährt (www.womensaid.org.uk/landing_page.asp?section=0001000100050007#common).

Der Europarat hat eine umfassende Bestandsaufnahme der nationalen Studien zu häuslicher Gewalt in gegengeschlechtlichen Partnerschaften in Europa durchgeführt. Das Ausmaß der Gewalt wurde innerhalb der nationalen Gesundheitssysteme untersucht und zirka 16 nationale Studien wurden einbezogen, um das Ausmaß der häuslichen Gewalt in den europäischen Ländern abzuschätzen. Auch wenn die Prävalenzen abhängig von den Untersuchungsmethoden variieren, kann festgestellt werden, dass ein fünftel bis ein viertel der Frauen wenigstens einmal in ihrem erwachsenen Leben körperliche Gewalt erfahren hat. Werden alle Formen von Gewalt einbezogen, steigt der Anteil auf 45%.

Die überwiegende Mehrheit der Täter häuslicher Gewalt ist männlich, während die Mehrheit der Opfer Frauen sind. Untersuchungen, aus denen hervorgeht, dass der Anteil von Frauen weitaus größer ist (Fiebert 1997, Archer 2000), wurden bereits widerlegt (Kimmel 2002). Vielmehr nimmt Kimmel an, das „Fiberts wissenschaftlich erläuterte Bibliograhie sich eher als ideologische Polemik entpuppt als ein ernsthaftes wissenschaftliches Unternehmen“. Der Umstand, dass die meisten Täter männlich sind, führt zu der Vermutung, dass häusliche Gewalt geschlechtsmarkiert ist.

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