1.3 Indikatoren von Gewalt

Da „Gewalt“ sowohl materielle als auch immaterielle Formen aggressiven Verhaltens umfasst wie physische und/oder sexualisierte Übergriffe, verbaler, emotionaler und psychischer Missbrauch, ist es notwendig, spezifische Indikatoren zu benennen, anhand derer eine Handlung als gewalttätig charakterisiert werden kann. Die Indikatoren, die wir vorschlagen, umfassen die Perspektiven von Täterin und Opfer. Obgleich die TäterInnen häufig ihre Motivation leugnen oder aber sich dieser nicht bewusst sind, ist sie ein bedeutender Indikator, ebenso wie die Angst des Opfers. Allerdings sind weder die Motivation des Täters noch die Angst des Opfers „objektivierbare“ Indikatoren, denn sie reflektieren eine subjektive, individuelle Haltung oder Erfahrung. Nichtsdestotrotz erachten wir die vorgeschlagenen Indikatoren als sinnvoll und „messbar“: Es gibt psychologische Methoden, die das Ausmaß der Angst des Opfers messen können und die Motivation des Täters/der Täterin erarbeiten können (siehe auch „Risk Assessment“).

Folglich gibt es zwei wesentliche Kriterien, anhand derer entschieden werden kann, ob eine aggressive Handlung als gewalttätig definiert werden kann:

a)      die Motivation des Täters/der Täterin: Das Ziel der Handlung ist die Zerstörung: Die Tat kann sowohl bewusst (was gewöhnlich einem geplanten Szenario entspricht) als auch unbewusst erfolgen: Auch wenn die TäterInnen ihr Verhalten als Ausdruck von Hilflosigkeit und Kontrollverlust, was sie als „Eruption“ beschreiben, sehen, ist das Ziel, die Person physisch oder symbolisch zu zerstören.

Das Ziel der Zerstörung führt zu der Unterscheidung von Konflikt und Gewalt: Das Ziel eines Konflikts ist das wiederzugewinnen, was die PartnerInnen vereint: Die PartnerInnen eines Konflikts erleben eine trennende Entwicklung in der Beziehung und versuchen, das Verbindende wieder herzustellen. Das Ziel von Gewalt ist demgegenüber, den Partner/die Partnerin zu vernichten, sei es physisch oder symbolisch.

b)      Ein zweites Kriterium für die Definition von Gewalt ist die Angst des Opfers: Aggressive Handlungen können dann als Gewalt definiert werden, wenn das Opfer Angst empfindet und versucht, sein Verhalten zu ändern, um weitere Aggressionen zu vermeiden. Angst ist kein „objektives“ Maß, das bedeutet, dass ein bestimmtes aggressives Verhalten bei der einen Person angstauslösend wirken kann, bei einer anderen aber nicht. D.h., die gleiche Handlung kann auf unterschiedliche Art erlebt werden; das individuelle Erleben ist dabei abhängig von der Lebensgeschichte und von der gesellschaftlichen Ordnung (beispielsweise Hasskriminalität gegen Mitglied einer „Randgruppe“). Neben einem vermeidenden Verhalten finden sich weitere Anzeichen von Angst:

  • Schlafstörungen
  • Erschöpfung
  • Depression
  • Sich selbst die Schuld zuweisen
  • Reizbarkeit/Erregbarkeit
  • Isolation
  • Vertrauensverlust
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Usw.

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