5.1 Individualpsychologische Modelle

Die Ausübung von Gewalt wird als individuelles Verhalten betrachtet, beziehungsweise als ein dysfunktionales Verhalten, das durch ungelöste individuelle (traumatische) Erfahrungen direkt verursacht ist. Häusliche Gewalt wird als ein Aspekt von Persönlichkeitsproblemen und einer beeinträchtigten Beziehungsfähigkeit betrachtet. Ungelöste traumatische Erfahrungen führen zu der Entwicklung vielfältiger Überlebenstaktiken, um negative Gefühle zu vermeiden, einschließlich hoch riskanten Verhaltensweisen wie Substanzmittelmissbrauch, Gewalt und kontrollierendes Verhalten. Daher werden nicht das gewalttätige Verhalten selbst, sondern seine Ursachen behandelt. Der Täter wird als kranker Mensch betrachtet, der der Heilung bedarf.

Im Rahmen dieses Ansatzes wurden verschiedene Täter-Typologien entwickelt, die sich auf das europäische ICD und/oder das amerikanische DSM beziehen. Am häufigsten finden sich „antisoziale“, „narzisstische“ und „borderline“ Persönlichkeiten. Die Täter müssen dabei nicht notwendigerweise das vollständige Krankheitsbild einer ‚psychischen Störung’ aufweisen, sondern nur Aspekte dieser Persönlichkeitsmerkmale (z.B. Finkelhor 1988, Godenzi 1996, Gondolf 2002). Ein bedeutender Risikofaktor für eine spätere Delinquenz ist die Erfahrung von Gewalt in der Kindheit, sei es als Opfer, Zeuge oder Täter. Nach Godenzi sind sehr viele Täter in einem hohen Maß von ihren Partnerinnen abhängig. Dieser Umstand führt zu kontrollierendem Verhalten. Auch würden die Täter Techniken benutzen, ihre gewalttätigen Handlungen zu „neutralisieren“ und dadurch die negativen Wirkungen ihres Verhaltens ausblenden: sie interpretieren ihr Verhalten neu, minimieren oder rechtfertigen es, machen das Opfer verantwortlich und diskreditieren es. Viele sind sich ihrer Verfehlung nicht bewusst und weigern sich, die Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen. Vielmehr betrachten sie ihre Partnerin – die Frau – als für das Geschehen verantwortlich (Logar 2002).

Ein viertel der Täter ist alkoholabhängig, aber zugleich gab in der Untersuchung von Gondolf (2002) einer von fünf befragten Tätern an, dass er nicht oder nur selten trinke. Nach Gilchrist (2003) wiederum haben 73% der Täter angegeben, dass sie vor ihrer Tat Alkohol getrunken hätten.

Schließlich verknüpfen Gilchrist et.al. (2003) verschiedene Täter-Typologien mit bestimmten gewalttätigen Verhaltensweisen: So nutze der antisoziale/narzisstische Typus allgemein mehr Einschüchterungen und Zwang sowie psychische Gewalt und männliche Privilegien. Der eher antisoziale Typ (47% der Fälle) zeige einen Mangel an Empathie für das Opfer, verhalte sich eher wie ein ‚Macho’ und wurde bereits wegen krimineller Handlungen verurteilt. Er „neutralisiere“ sein gewalttätiges Verhalten, indem er es verharmlose und dem Opfer die Schuld zuschreibe. Der eher narzisstische Typ zeige eine Tendenz zu Narzissmus und Paranoia. Er zeige kein offenes ‚Macho’ Verhalten und versuche zudem, so zu antworten wie er glaube, dass es erwünscht sei. In Gilchrists Untersuchung kam dieser Täter Typus in 13% der Fälle vor. Der Borderline/emotional abhängige Typus versuche eher, sein Opfer zu isolieren und drohe, es zu verletzen oder zu töten. Dieser Typ zeige zudem ein hohes Maß an interpersonaler Abhängigkeit und Wut; er leidet unter Depression und Angstzuständen und macht andere für seine Situation verantwortlich. Auch gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er körperlichen oder sexuellen Missbrauch in der Kindheit erlebt hat. 28% der untersuchten Täter häuslicher Gewalt zeigen diese Persönlichkeit.

Gründe für die Gewalt sind Eifersucht, Trennung und Themen um die Kinder.

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