1.4 Stalking und häusliche Gewalt

Der Begriff „Stalking“ umschreibt wiederholte Belästigung oder andere Formen des Eindringens in die Privatsphäre einer Person, so dass diese in Angst lebt. Stalking Aktivitäten können wiederholtes Verfolgen, unerwünschte Kontaktaufnahme mit verschiedenen Kommunikationsmitteln, Beobachten über einen längeren Zeitraum, unerwünschte Kontaktaufnahme mit Familienmitgliedern, FreundInnen oder Bekannten der Zielperson und „Cyber-Stalking“ (der Gebrauch des Internet für die Belästigung) umfassen. In einigen europäischen Ländern gibt es eine gesonderter Gesetzgebung gegen Stalking, beispielsweise in Österreich (Juli 2006), Deutschland (März 2007) und England (1997, Gesetz zum Schutz vor Belästigung).

Da Stalking Aktivitäten auch in gewalttätigen Beziehungen benutzt werden, ist es notwendig zwischen häuslicher Gewalt und Stalking zu differenzieren: Der Begriff „Stalking“ beschreibt Belästigung und Nachstellungen nach Beendigung einer Beziehung während „häusliche Gewalt“ die gewalttätigen Handlungen während einer Beziehung und während der Trennungsphase umfasst.

Es gibt verschiedene Typologien von Stalker. Im Kontext von häuslicher Gewalt sind zwei Typen von Stalkern von besonderer Bedeutung:

  • Der zurückgewiesene Stalker verfolgt seine Opfer, um eine empfundene Zurückweisung umzukehren, zu korrigieren oder zu rächen (beispielsweise Scheidung, Trennung, Beendigung einer Beziehung).
  • Der ärgerliche Stalker möchte das Opfer ängstigen und quälen, weil er emotionales Leid verspürt. Er möchte Vergeltung für seine Erfahrung von Schmerz aufgrund der Trennung.

  

Der „zurückgewiesene Stalker“ ist wütend, fühlt sich von dem Partner/der Partnerin zurückgewiesen und ist emotional abhängig von ihm/ihr. Er/sie kann die Zurückweisung nicht akzeptieren oder kann nicht glauben, zurückgewiesen worden zu sein. Diese Täter zeigen im Regelfall keine Anzeichen einer psychischen Störung und weiß sehr genau, wann er im Vorteil ist und wann nicht. Das bedeutet, dass der zurückgewiesene Stalker auf rechtliche Maßnahmen anspricht (Mullen/Pathé/Purcell 2001).

Der „ärgerliche Stalker“ erfährt ein Gefühl von persönlicher Befriedigung, weil er/sie Macht und Kontrolle über das Opfer hat. Er/sie sieht sich als Opfer, dem ein Leid zugefügt wurde. Sein/ihr Ziel ist, gegen die Erfahrung von Ungerechtigkeit vorzugehen. Sein/ihr Ziel ist daher, das Opfer zu ängstigen und einzuschüchtern. Er/sie benutzt im Regelfall Drohungen und seltener körperliche Übergriffe. Er/sie ist rechtlichen Sanktionen nicht zugänglich und betrachtet diese eher als Verlängerung seiner/ihrer Erfahrung von Ungerechtigkeit. Er/sie versucht, rechtliche Sanktionen zu vermeiden und kann zudem Aspekte einer paranoiden Persönlichkeit aufweisen.

Auch wenn die Zahl gleichgeschlechtlicher Partnerschaften bei Stalking vernachlässigbar ist (Zona, Palarea & Lane 1998, Meloy & Gothard 1995), ist es lohnenswert, sich diese im Kontext häuslicher Gewalt näher zu betrachten. Forschung zu Stalking in lesbischen und/oder schwulen Partnerschaften steht noch an ihrem Anfang. Eine Untersuchung der TU Darmstadt, Deutschland (2006/2007) zeigt, dass die meisten Stalking Aktivitäten im gleichgeschlechtlichen Kontext motiviert sind von dem Bedürfnis, die Partnerschaft wiederzugewinnen, verletzten Gefühlen, Eifersucht und Wut. Dort, wo der Partner/die Partnerin die ehemalige PartnerIn war, beschreiben die Opfer die Beziehung als von Eifersucht geprägt. In der Hälfte der Fälle begannen die Stalking Aktivitäten bereits während der Beziehung. Keines der Opfer hat die Polizei oder die Rechtsprechung als unterstützend empfunden. Annähernd 45% der TäterInnen haben gesagt, bereits zuvor andere Personen verfolgt und belästigt zu haben. Weitere Informationen: www.stalkingforschung.de

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