2. Auswirkungen auf lesbische Partnerschaften – Europäische Sicht

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften haben sich geschichtlich am Konzept der heterosexuellen Ehe orientiert, obwohl diese Beziehungen keine rechtliche Anerkennung und Absicherung genossen. Seit in der Romantik Liebe als  Motivation für das Eingehen von Beziehungen eine große Bedeutung erhielt, spielt das Konzept der „romantischen Liebe“ auch eine wichtige Rolle für die Gestaltung von lesbischen Beziehungen.

Grundsätzlich kann angenommen werden, dass die meisten gleichgeschlechtlichen Paare in Europa in einer monogamen Zweierbeziehung leben und damit in einer vergleichbaren Situation wie heterosexuelle Paare sind. Dennoch steigt heutzutage zweifelsohne die Vielfalt der Beziehungsformen, von lebenslanger monogamer Partnerschaft über so genannte „seriell- monogame“ Beziehungen zu polygamen und polyamourösen Beziehungskonstrukten. Gleichzeitig steigt die Scheidungsrate bei heterosexuellen Paaren beträchtlich.

So betrug die Scheidungsrate 2006 in  Wien 60 %; in Tschechien liegt die Scheidungsrate bei ca. 50 % und die durchschnittliche Dauer einer Ehe ist 14 Jahre. Seit in Spanien 2005 ein neues Scheidungsrecht in Kraft trat stieg die Rate auf 75 %.  Spanien hat 1980 als einer der letzten Staaten in Europa das Scheidungsrecht eingeführt.  Laut eines Berichts des Instituts für Familienpolitik ist Spanien mit 141.817 Scheidungen im Jahr 2006 das Land mit der höchsten Scheidungsrate innerhalb der EU.

Daten über die Auflösung von Eingetragenen Partnerschaften sind noch sehr mangelhaft und bei der Interpretation dieser Daten ist auf die Geschlechterverteilung Rücksicht zu nehmen, so beträgt in Schweden der Anteil von schwulen Paaren 62 % aller Eingetragenen Partnerschaften. Laut dem Bericht von IMAPP (Institute for Marriage and Public Policy) mit Daten aus 2004 liegen die Trennungsraten bei Eingetragenen Partnerschaften ebenfalls sehr hoch. Schwule Paare trennen sich innerhalb der ersten acht Jahre um 50 % häufiger als heterosexuelle Paare, Lesben sogar um 167 % häufiger. Laut Statistik der Niederländischen Regierung wiederum ist die Scheidungsrate von heterosexuellen und homosexuellen Paaren beinahe ident.

Das Konzept der romantischen Liebe scheint also weniger auf Dauer ausgerichtet und weniger verbindlich zu sein als die ökonomisch motivierten Beziehungen. Aus diesem Grund sinkt auch die durchschnittliche Dauer von Beziehungen bzw. Ehen. Die Menschen stellen trotzdem nicht die Beziehungsform der monogamen Zweierbeziehung in Frage, sondern leben mehrere dieser Beziehungen in Serie.

Diese Tradition der monogamen Paarbeziehung wirkt sich auch auf die Gestaltung von lesbischen Beziehungen aus. Da keine anderen Beziehungsformen gefördert oder rechtlich anerkannt werden, treten viele LGBT-Organisationen im Sinne der Gleichbehandlung und Antidiskriminierung für Eingetragene Partnerschaften mit ähnlichen Rechten wie die Ehe oder die Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare ein. Einige Organisationen, Einzelpersonen oder Parteien beharren allerdings auch auf die rechtliche Anerkennung anderer Beziehungskonstrukte, welche z. B. auch mehr als zwei Personen oder Wahlfamilien umfassen könnten.

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