1. Kurzer soziohistorischer Abriß monogamer Paarbeziehungen

Der Ausdruck „soziale Monogamie“ beschreibt ein bestimmtes Beziehungskonzept: Soziale Monogamie  ist eine Paarbeziehung, also eine „Zweisamkeit“, eine wirtschaftliche Gemeinschaft und die PartnerInnen haben eine monogame sexuelle Beziehung. Folglich beruht dieses Konzept einer Zweierbeziehung nicht nur auf sexueller Treue, sondern auch auf emotionaler und wirtschaftlicher Abhängigkeit und Unterstützung. In Europa werden diese Beziehungen oft auf die gleiche Stufe wie die Ehe gestellt. „Ehe“ meint in diesem Kontext eine rechtlich anerkannte Beziehung. In den meisten europäischen Staaten sind damit auch rechtliche oder steuerliche Privilegien verbunden.

Es ist nicht bekannt, ob die Menschen in der Frühgeschichte in monogamen Zweierbeziehen lebten oder nicht. Bekannt ist allerdings, dass durch den Einfluss des Christentums in vielen Ländern die heterosexuelle monogame Zweierbeziehung die einzig legale Form von Paarbeziehung wurde. Im Mittelalter durften nicht alle Menschen heiraten oder sie konnten sich es nicht leisten, zu heiraten. Nach wie vor ist sehr wenig bekannt darüber, wie diese Menschen ihre Beziehungen gestaltet haben. Da es im Mittelalter nur einen begrenzten Zugang zur Ehe gab, kann angenommen werden, dass es schon hier andere Beziehungsformen neben der Ehe gab.

Nach der großen Pestepidemie 14. Jahrhundert wurden Gesetze eingeführt, die eine Sexualität, die nicht der Fortpflanzung diente, verbot. Damit wurde die Heterosexualität noch mehr als bereits zuvor die einzig erlaubte sexuelle Orientierung.

Bereits 1884 beschrieb Friedrich Engels (1820 – 1895) in seinem Werk „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“ die zwei Hauptfunktionen der monogamen Ehe. Erstens die Sicherheit, dass Eigentum und Besitz in der biologischen Familie verbleiben und zweitens Reduktion der Frauen auf unbezahlte Hausarbeit und Kindererziehung. Die monogame Familie basiert auf der Vormachtstellung des Mannes, und das Hauptziel der Familie ist es, die eigene Blutlinie fortzuführen. (Männliche) Nachkommen sind die  „natürlichen“ Erben der Besitztümer ihrer Väter. Demnach hieß Monogamie, dass Frauen sexuell treu zu sein haben, Männer aber sehr wohl die Möglichkeit und Freiheit zu außerehelichem Sex hatten.

Liebe als Grund für eine eheliche Verbindung tauchte Ende 18. und Anfang 19. Jahrhundert auf. Romantik ist Einfühlungsvermögen, Phantasie und Gefühle und vernachlässigt traditionelle wirtschaftliche und familiäre Gründe für Heirat. Trotzdem blieb als Hauptmotivation einer Ehe die Weitergabe des Erbes an die männlichen Nachkommen. In den patriarchalen Gesellschaften hatten die Frauen aller gesellschaftlichen Schichten nicht die Möglichkeiten, einen für sie gewählten Bräutigam abzulehnen. Mit der Heirat bekam der Ehemann das Verfügungsrecht über seine Frau und deren Besitz. Adelige Frauen konnten sich entscheiden ihr Leben in einem Kloster zu verbringen, was sie zumindest vor einer unerwünschten Heirat  schützte.

Obwohl die sich Vorstellungen von Ehe und monogamen Beziehungen über die Jahrhunderte verändert haben und alternative Beziehungsmodelle sichtbarer und lebbarer wurden, habe die Vereinten Nationen 1979 soziale Monogamie als die bevorzugt Beziehungsform statuiert: „Das afrikanischen Frauenrechtsprotokoll ist das einzige Menschenrechtsdokument, das besagt, das die monogamen Ehe die ‚bevorzugte Beziehungsform’ ist. Es ist auch das einzige, das der Witwe das Sorgerecht für die Kinder, das Erbrecht und das Recht auf Wiederverheiratung zuspricht.“ (Konvention zur Beseitigung jeder Diskriminierung der Frau – CEDAW; von der UN-Hauptversammlung 1979 angenommen). Diese Entscheidung wird damit begründet, dass nur eine monogamen Ehe Frauen und Männer die gleichen Rechte ermöglicht, da in polygamen Beziehungen nur die Männer das Recht auf mehrere Ehefrauen haben.

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