2. Allgemeine Kriminalstatistiken

Frauen als Rechtssubjekte – Ein kurzer geschichtlicher Abriss

Im römischen Recht hatten Frauen keine Bürgerrechte, bei Straffälligkeit waren sie den Nichtbürgern gleichgestellt. Die Vollstreckung der Strafe wurde meist dem Ehemann oder den Verwandten übertragen. Im Mittelalter durften Frauen vor Gericht keinen Eid ablegen und deshalb wurde auf Gottesurteile zurückgegriffen. Viele dieser Verfahren endeten auch bei erwiesener Unschuld oft tödlich.

Mit der Publikation des „Malleus Maleficarum“ („Handbuch für Hexenjäger“, der Hexenhammer 1486) begannen zwei Jahrhunderte der Hexenverfolgung. Bevorzugte Hinrichtungsmethoden für Frauen waren Ertränken, Pfählung oder sie wurden lebendig begraben. Frauen wurden als außerordentlich anfällig für Hexerei beschrieben, weil sie durch ihre weibliche Schwachheit besonders empfänglich für die Versuchungen des Bösen seien.

In Österreich wurde 1740 die letzte Hexe hingerichtet und erst 1788 erfolgte die Streichung aller Gesetzesstellen, die mit Hexerei und Zauberei in Verbindung standen (Unizeit 1/99).

In anderen europäischen Ländern gab es ähnliche gesetzliche Entwicklungen. Die letzten Hinrichtungen wegen Hexerei gab es in England 1736, in Deutschland 1775 und in Polen 1792.

Allgemeine Kriminal- und Gefängnisstatistiken

Hier gibt es ein signifikantes Sinken des Prozentsatzes von Frauen als Tatverdächtigte, als Verurteilte und schließlich  diejenigen, die eine Haftstrafe verbüßen.

  • Tatverdächtige:                        22 – 24 %
  • Verurteilte:                               15 – 17 %
  • In Haft:                                    5 %

(Österreichische und Deutsche Kriminalstatistik 2005 und 2006

www.bmi.gv.at/kriminalstatistik/
www.bka.de/pks/)

Europäische Zahlen zeigen, dass nur zwischen 5 % und 10 % aller Strafgefangenen weiblich sind.

  • Österreich (2003):       5,7 %
  • Belgien:                        4,1 %
  • Deutschland:                4,8 %
  • Großbritannien:            6,1 %

(www.europeansourcebook.org/esb3_Full.pdf)

Frauen verüben weniger Straftaten und ihre Verbrechen sind generell weniger schwer als die von Männern. In Großbritannien waren 2004 36 %  der Frauen wegen Drogendelikten inhaftiert und 17 % wegen Verbrechen gegen Leib und Leben. (www.hmprisonservice.gov.uk/adviceandsupport/prison_life/femaleprisoners/).

Europaweit werden Frauen am häufigsten wegen Diebstahl verurteilt.

  • Österreich:                   19,1 %
  • Belgien:                        10,9 %
  • Deutschland:                25,7 %

In Österreich waren 14,7 % der Frauen wegen Mord verurteilt, in Belgien 7,6 % und in Deutschland 11, 7 %. Diese Rate ist z. B. in Ungarn mit 22,8 % und Finnland mit 17,8 % höher (http://eurochips.org/uk_facts.html#3).

2007 waren 5 % der österreichischen Strafgefangenen weiblich, ihre Haftgründe waren folgende:

  • 42 %    Diebstahl
  • 22 %    Raub und Körperverletzung
  • 16 %    Mord und versuchter Mord
  • 11 %    Drogendelikte

Die Kriminalitätsrate von Frauen zeigt eine steigende Tendenz, bei den Delikten Kindstötung und Diebstahl liegen die Prozentsätze höher als die der Männer.

55 % der inhaftierten Frauen haben Kinder unter 16 Jahren. Laut Daten des britischen Innenministeriums leiden bis zu 80 % an diagnostizierbaren geistigen Krankheiten und 66 % haben neurotische Störungen. In der restlichen Bevölkerung liegt diese Zahl unter 20 % (www.hmprisonservice.gov.uk/adviceandsupport/prison_life/femaleprisoners/).

Bis zu 50 % der Frauen erfahren im Gefängnis körperliche, seelische oder sexuelle Misshandlungen.

Über die sexuelle Orientierung von inhaftierten Frauen gibt es keine Zahlen.

Häusliche Gewalt

Die Statistik der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie besagt, dass in 7,7 % der angezeigten Fälle Frauen die Täterinnen waren. Die Polizeistatistik 1999 – 2001 von Zürich weist 8,3 % aus.

Trotzdem wird im Gewaltreport des österreichischen Familienministeriums Steinmetz mit einem Anteil von 50 % weiblichen Täterinnen bei häuslicher Gewalt zitiert. In der Folge wird allerdings auch auf die Kritik daran eingegangen.

Untersuchungen aus Schottland ergeben, dass 7,2 % der Opfer häuslicher Gewalt Männer in heterosexuellen Beziehungen, 0,4 % Männer in schwulen und 0,3 % Frauen in lesbischen Beziehungen sind. Männer in heterosexuellen Beziehungen sind öfter in der jetzigen Beziehung von Gewalt betroffen und haben weniger Gewalt in früheren Beziehungen erfahren als Frauen. Der häufigste Ausdruck von Gewalt, den Männer erfuhren, war Stoßen (88 %), Gegenstände wurden nach 75 % geworfen, gefolgt von Beschädigung ihres Eigentums (53 %). Ebenfalls 53 % haben angegeben, körperlich verletzt worden zu sein. Aber keiner dieser Männer hat  medizinische Behandlung in Anspruch genommen.

Literatur

  • Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend, Österreich (2001): Gewalt in der Familie- Gewaltbericht.
  • Gadd, David/Farrall, Stephen/ Dallimore, Damian (2002): Domestic Abuse against Men in Scotland. Scottish Executive Central Research Unit.
  • Gender Report Sachsen-Anhalt, 2003.
    www.g-i-s-a.de/Gender-Report2003.html
  • Kimmel, Michael, S. (2002): ‘Gender Symmetry’ in Domestic Violence. In: Violence Against Women, Vol.8, No.11, November 2002, pp 1332-1363.
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Gefördert von: und
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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