2.1.2 Antidiskriminierungsgesetze

Für viele Jahre lag der Fokus der europäischen Antidiskriminierungspolitik auf Nationalität/Herkunft und Geschlecht. Wie auch immer, 1997 haben die Mitgliedsstaaten einstimmig den ‚Vertrag von Amsterdam’ verabschiedet. In Artikel 13 werden der Gemeinschaft neue Vollmachten gegeben, Diskriminierung auf Grund von Geschlecht, Rasse, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexuelle Orientierung zu bekämpfen. Seit dem der ‚Vertrag von Amsterdam’ 1999 in Kraft getreten ist, wurden neue europäische Gesetze und Richtlinien erlassen, die eine Antidiskriminierungspolitik bestärken sollten, so die Richtlinien  „Richtlinie zur Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft 2000/43/EG und „Richtlinie des Rates zur Festlegung eines allgemeinen Rahmens für die Verwirklichung der Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf“  2000/78/EG. Die Richtlinie 2000/43/EG festigt den Grundsatz der Gleichbehandlung von Personen unabhängig von ihrer ‚Rasse’ oder ethnischen Herkunft und die Richtlinie 2000/78/EG setzt allgemeine Rahmenbedingungen für Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf und bezieht sich auch auf das Merkmal der sexuellen Orientierung.

Der jährliche Bericht 2006 zu Gleichheit und Nichtdiskriminierung in den Europäischen Mitgliedsstaaten gibt einen Überblick über die nationalen Antidiskriminierungsgesetzen der meisten europäischen Länder: 

Österreich:

Bundesebene: Deckt alle Diskriminierungsgründe (mit Ausnahme von Behinderung) in zwei Richtlinien und Geschlecht ab: Bundesgesetz über die Gleichbehandlung (verabschiedet 1979, geändert 2004), Gleichbehandlungsgesetz, Bundesgesetz über die Gleichbehandlungskommission und die Gleichbehandlungsanwaltschaft (alle seit 1. Juli 2004 in Kraft). Deckt Behinderung ab: Behindertengleichstellungsgesetz (in Kraft seit 1. Januar 2006, (Änderungen im) Bundesgesetz über die Einstellung und Beschäftigung Behinderter (beide in Kraft seit 1. Januar 2006) Bundesländer: Landesgleichbehandlungsgesetz 2004 (Steiermark); Gleichbehandlungsanwaltschaft für Behinderte (Steiermark) (März 2005); Wiener Dienstordnung 2004; Wiener Antidiskriminierungsgesetz 2004; Änderungen im Vertragsbedienstetengesetz und im Gesetz zur Gleichbehandlung in der Landwirtschaft (September 2006); Niederösterreichisches Gleichbehandlungsgesetz 2004 (Änderungen April 2005), Niederösterreichisches Antidiskriminierungsgesetz, Änderungen in den Vorschriften für Arbeitskräfte in der Landwirtschaft (beide April 2005); Kärntner Antidiskriminierungsgesetz 2004 und Änderungen in den Vorschriften für Arbeitskräfte in der Landwirtschaft (Juli 2006); Vorarlberger Antidiskriminierungsgesetz 2004; oberösterreichisches Antidiskriminierungsgesetz; Burgenländisches Antidiskriminierungsgesetz 2004 und Änderungen an den Vorschriften für Arbeitskräfte in der Landwirtschaft (2006); Änderungen an den Salzburger Vorschriften für Arbeitskräfte in der Landwirtschaft (2005) und Salzburger Antidiskriminierungsgesetz 2006; Tiroler Antidiskriminierungsgesetz (April 2005), Tiroler Landesgleichbehandlungsgesetz für Landesbedienstete (Januar 2005) sowie Änderungen am Landesvertragslehrergesetz (Dezember 2005) und Land- und forstwirtschaftliches Landesvertragslehrergesetz (Juli 2005).

Belgien:

Föderale Ebene: Deckt alle Diskriminierungsgründe in zwei Richtlinien und zusätzliche Gründe einschließlich Geschlecht ab: Gesetz vom 25. Februar 2003 zur Bekämpfung der Diskriminierung und zur Abänderung des Gesetzes vom 15. Februar 1993 zur Schaffung eines Zentrums für Chancengleichheit und Bekämpfung des Rassismus;

Deckt Rasse und ethnische Zugehörigkeit und weitere Gründe ab: Gesetz vom 30. Juli 1981 zur Ahndung bestimmter Taten, denen Rassismus oder Xenophobie zugrunde liegen, geändert durch die Gesetze vom 12. April 1994, vom 7. Mai 1999 und vom 20. Januar 2003.

Regionen/Gemeinschaften: deckt alle Gründe ab: Flämische Region/Gemeinschaft: Dekret vom 8. Mai 2002 über die verhältnismäßige Beteiligung am Arbeitsmarkt; Französische Gemeinschaft: Dekret vom 19. Mai 2004 über die Umsetzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung; Dekret der Wallonischen Region vom 27. Mai 2004 über die Gleichbehandlung in Beschäftigung und Berufsausbildung; Deutschsprachige Gemeinschaft: Dekret vom 17. Mai 2004 bezüglich der Sicherung der Gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt; Region Brüssel-Hauptstadt: Verordnung vom 26. Juni 2003 über die gemischte Verwaltung des Arbeitsmarktes in der Region Brüssel-Hauptstadt.

Deutschland:

Deckt alle Diskriminierungsgründe in zwei Richtlinien und zusätzliche Gründe einschließlich Geschlecht ab: Betriebsverfassungsgesetz, geändert 2001; Bundespersonalvertretungsgesetz 1975, geändert 2005; Deckt Behinderung ab: Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen Deckt Alter und Behinderung ab: Gesetz zum Schutz gegen willkürliche Kündigungen, Sozialgesetzbuch. Deckt alle Diskriminierungsgründe in zwei Richtlinien und zusätzliche Gründe einschließlich Geschlecht ab: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), in Kraft getreten am 18. August 2006 (generelle Umsetzung der Richtlinie 2000/43 und 2000/78 in deutsches Recht).

Vereinigtes Königreich:

Großbritannien: Rassenbeziehungsgesetz 1976, zuletzt geändert durch die Rassenbeziehungsverordnung 2003. Nordirland: Rassenbeziehungsordnung (NI) 1997, zuletzt geändert durch die Verordnung zur Rassenbeziehungsordnung 2003. Deckt Behinderung ab: Großbritannien: Behinderungsdiskriminierungsgesetz 2005, ändert das Behinderungsdiskriminierungsgesetz 1995, bereits geändert 2003 (in Kraft getreten am 30. Juni 2005, wobei die endgültige Verpflichtung im Dezember 2006 wirksam wird); Verordnung 2003 zum Behindertendiskriminierungsgesetz 1995 (Renten); Gesetz über sonderpädagogische Förderung und Behinderungen 2001; Behinderungsdiskriminierungsgesetz 1995 (Änderung), (Weiterbildung und Höhere Bildung) Verordnung 2003; Nordirland: Verordnung 2004 zur Änderung des Behinderungsdiskriminierungsgesetzes 1995. Verordnung über sonderpädagogische Förderung und Behinderungen 2005 (Nordirland). Deckt sexuelle Orientierung ab: Großbritannien: Beschäftigungsgleichstellungsverordnung (sexuelle Orientierung) 2003; Gesetz über organisierte Schwerkriminalität und Polizei 2005 (Folge- und ergänzende Änderungen nachrangiger Rechtsvorschriften) Verordnung 2006 (S.I. 594/2006). Abs. 37.

Nordirland: Beschäftigungsgleichstellungsverordnung (sexuelle Orientierung) (NI); Gesetz über organisierte Schwerkriminalität und Polizei 2005 (Folge- und ergänzende Änderungen nachrangiger Rechtsvorschriften) Verordnung 2006 (S.I. 594/2006). Abs. 42.

Deckt Religion und Weltanschauung ab: Großbritannien: Beschäftigungsgleichstellungsverordnung (Religion oder Weltanschauung) (Änderung) 2003 (S.I. 2003/2828); Beschäftigungsgleichstellungsverordnung (Religion oder Weltanschauung) (Änderung) 2004 (S.I. 2004/437); Beschäftigungsgleichstellungsverordnung (Religion oder Weltanschauung) (Änderung) (Nr. 2) (S.I. 2004/2520); Gesetz über organisierte Schwerkriminalität und Polizei 2005 (Folge- und ergänzende Änderungen nachrangiger Rechtsvorschriften) Verordnung 2006 (S.I. 594/2006). Abs. 36. Deckt religiöse Überzeugung und politische Meinung ab: Nordirland: Verordnung über faire Beschäftigung und Behandlung (NI) 1998, zuletzt geändert durch Verordnung über faire Beschäftigung 2003 (2003 Nr. 520); Deckt alle Diskriminierungsgründe einschließlich Geschlecht ab: Großbritannien – Gleichstellungsgesetz 2006

Frankreich:

Deckt Religion ab: Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat 1905; Gesetz über die Säkularität in öffentlichen Schulen Nr. 2004-228 vom 15. März 2004. Deckt alle Diskriminierungsgründe in zwei Richtlinien und zusätzliche Gründe einschließlich Geschlecht ab: Pressegesetz 1881 (zuletzt geändert im Februar 2005); Gesetz Nr. 2001-1066 zur Bekämpfung von Diskriminierungen; Gesetz Nr. 2002-73 zur sozialen Modernisierung; Gesetz vom 21. Dezember 2004 zur Schaffung der mit der Gleichbehandlung befassten Stelle (HALDE); Dekret Nr. 2006-641 vom 1. Juni 2006 zur Änderung der Strafprozessordnung zur Aufnahme krimineller Transaktionen, die von der HALDE vorgeschlagen werden können.

Deckt Rasse und Religion ab: Gesetz vom 20. Dezember 2004 über sozialen Zusammenhalt;

Gesetz über Chancengleichheit vom 9. März 2006. Deckt Behinderung ab: Gesetz 2005-102 für Gleichberechtigung, Chancengleichheit und gesellschaftliche Partizipation Behinderter (in Kraft getreten am 11. Februar 2005). Deckt Alter ab: Gesetz Nr. 2005-846 vom 26. Juli 2005 zur Ermächtigung der Regierung zur Ergreifung von Dringlichkeitsmaßnahmen für Beschäftigung mittels Regierungsdekret, Regierungsdekret 2005-901 über Zugang zu Beschäftigung im Öffentlichen Dienst.

Niederlande:

Deckt ethnische Zugehörigkeit/ethnische Herkunft, Religion und Weltanschauung, sexuelle Orientierung und zusätzliche Gründe einschließlich Geschlecht ab: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz 1994, geändert durch EG-Umsetzungsgesetz 2004 und ein Gesetz („Wet tot wijziging van de Algemene Wet Gelijke Behandeling; Evaluatiewet Awgb) vom 15. September 2005; Deckt Alter ab: Gesetz über Gleichbehandlung im Beschäftigungsverhältnis (Altersdiskriminierung) vom 17. Dezember 2003; Deckt Behinderung ab: Gesetz über Gleichbehandlung aufgrund einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit vom 3. April 2003. Änderungen im Strafgesetz (jegliche Diskriminierung aus Gründen der physischen, psychologischen oder geistigen Behinderung eines Menschen ist verboten).

Spanien:

Deckt alle Gründe in den beiden Richtlinien ab: Gesetz 62/2003 vom 30. Dezember über steuerliche, administrative und soziale Maßnahmen; Gesetzesdekret 5/2000 vom 4. August, Gesetz über Verstöße und Sanktionen der Sozialordnung, geändert im Januar 2004;

Deckt Alter ab: Gesetz 14/2005 vom 1. Juli 2005; Deckt Behinderung ab: Dekret 1865/2004 zur Schaffung des Nationalen Behindertenrates, Gesetz 51/2003 vom 2. Dezember über Chancengleichheit, Nichtdiskriminierung und universalen Zugang für Menschen mit Behinderungen.

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