3.1 Coming-out

Homosexuelle sind Menschen, die sich zu Menschen ihres gleichen biologischen Geschlechts hingezogen fühlen. Homosexuell zu sein ist dabei nicht nur auf Körperlichkeit beschränkt, sondern umfasst die gleiche Sehnsucht, die jeder Mensch hat, nach einer festen und fürsorglichen Partnerschaft. Coming-out bedeutet der Prozess, die eigene sexuelle Orientierung offen kund zu tun, die als von den gesellschaftlichen Normen abweichend wahrgenommen wird. Das Coming-out beinhaltet ein „inneres“ und ein „äußeres“ Coming-out. Das ‚innere Coming-out’ umfasst dabei die Lebensphase, in der eine Person ihre unterschiedliche sexuelle Orientierung erkennt und wahrnimmt, dass diese von anderen abweicht: „Ich bin lesbisch/schwul/bisexuell/transgender“. Das ‚äußere Coming-out’ beschreibt die Lebensphase, in der die eigene sexuelle Orientierung anderen Personen kundgetan wird. Auch wenn jemand für sich erkannt hat, dass er ein anderes sexuelles Begehren hat, muss er dieses nicht notwendigerweise gegenüber anderen kundtun. Das Coming-out bedeutet nicht notwendigerweise, offen als Lesbe, Schwuler, Bisexueller oder Transgender zu leben. Einige leben offen; andere wiederum schämen sich für ihre andere sexuelle Orientierung oder hassen sich sogar für das, was sie sind.

Homosexuelle Menschen erleben – abhängig von der Kultur und der Region, in der sie leben – verschiedene Formen der Ablehnung oder sogar Feindseligkeit gegenüber ihrer psychosexuellen Identität. In einigen Ländern wird Homosexualität nach wie vor strafrechtlich verfolgt und kann sogar mit dem Tode bestraft werden. Die Erfahrung von Ablehnung und sogar Feindseligkeit kann sich negativ auf den Coming-out Prozess und folglich auch auf die Selbstwahrnehmung auswirken. Negative Reaktionen von der Umwelt können Stress verursachen, Zweifel, Scham, Angst,  Selbstverleugnung schüren oder sogar zu Selbstmord führen. Das Coming-out ist dabei nicht auf Heranwachsende beschränkt; auch ältere Menschen können ihre andere sexuelle Identität entdecken und folglich ein späteres Coming-out haben. Dennoch, gerade Jugendliche sind während der Phase ihres Coming-out stark gefährdet, das wie sich in der Pubertät befinden können, die ebenfalls eine Krisensituation darstellen kann. Einige Eltern könnten denken, dass es eine „Heilung“ für Homosexualität gibt. Aber Lesben, Schwule und transgender Menschen fangen sich ihre psychosexuelle Identität nicht wie eine Grippe ein, sie erfinden sie auch nicht, um Aufmerksamkeit zu erregen oder aus irgendeinem anderen Grund. Sie zu Psychiatern, Ärzten oder in die Kirche zu bringen, wird ihre Natur nicht verändern (Sie „Vermeintliche Gründe von Homosexualität“). Das bedeutet eher, sie zu verletzen, weil diese Reaktionen eher ein Zeichen von Ablehnung sind. Homosexualität ist keine Krankheit.

Heterosexuelle Menschen haben kein Coming-out, weil ihre sexuelle Ausrichtung nicht als abweichend angesehen wird: Sie müssen nicht gegenüber ihren Eltern, FreundInnen oder KollegInnen am Arbeitsplatz „herauskommen“. Sie gehen nicht das Risiko ein, dass Eltern ihr Kind zurückweisen, FreundInnen sich abwenden, sie sexuell am Arbeitsplatz belästigt werden usw. – aufgrund ihrer psychosexuellen Identität. Dieser Erfahrungsmangel kann es heterosexuellen Menschen erschweren, die Problemlagen, die mit einem Coming-out verbunden sind, zu verstehen.

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