2. Europäische Forschung und kulturelle Einstellungen

Die Europäische Kommission veröffentlicht jährlich ein Eurobarometer (2006) und ein spezielles Eurobarometer zu Diskriminierung (2007). Das Sonderbarometer umfasst sechs Diskriminierungsgründe: Ethnie, Behinderung, sexuelle Orientierung, Alter, Religion oder Weltanschauung und Geschlecht. Nach diesem Bericht und auf Grundlage von 25 europäischen Ländern (nach der Erweiterung, vor der Aufnahme von Rumänien und Bulgarien), sehen es 68% der europäischen Bürger als für schwierig für Homosexuelle an, ihre sexuelle Orientierung offen kund zu tun. Der gleiche Anteil der Bevölkerung ist der Auffassung, dass für eine Frau familiäre Verantwortungen ein Hindernis darstellen, in eine Führungsposition zu kommen.

Tatsächlich verschleiert der Mittelwert zu Einstellungen zu Homosexualität große Unterschiede zwischen den europäischen Ländern. Die Auffassung, dass eine Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in dem Land weit verbreitet ist, wird vor allem von Menschen in Italien (73%), Zypern (72%), Griechenland (68%)  und Portugal (67%) geteilt und am wenigsten in Estland (26% und Dänemark (27%). In allen baltischen Staaten war der Anteil von „Ich weiß nicht“ Antworten sehr hoch (22% in Estland, 20% in Litauen und 14% in Lettland). Der Anteil der „Ich weiß nicht“ Antworten in den baltischen Staaten ist noch höher, wenn die Menschen die Entwicklung der letzten fünf Jahre beurteilen soll (36% in Estland, 30% in Lettland und 29% in Litauen). Die Menschen in Slowenien sind der Auffassung, dass Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung heute weiter verbreitet sei als vorher (49%), gefolgt von Portugal (45%), Italien (44%), Polen (41%) und Zypern (40%).

Homosexuelle FreundInnen zu haben, beeinflusst offenbar die Einschätzung der Menschen hinsichtlich des Ausmaßes der Diskriminierung: 56% derjenigen, die homosexuelle FreundInnen haben, haben das Gefühl, dass Diskriminierung weit verbreitet ist. Dem gegenüber teilen diese Auffassung nur 48% derjenigen, die keine homosexuellen FreundInnen haben. In südeuropäischen Ländern wird Homosexualität nach wie vor als Tabu erachtet (Zypern 86%, Griechenland 85%, Portugal 83%, Italien 68%).

Obgleich gleichgeschlechtliche Beziehungen in vielen Europäischen Ländern legalisiert wurden (z.B. Eingetragene Partnerschaft in Deutschland), sind nur 32% der Auffassung, dass homosexuelle Paare die Möglichkeit zur Adoption von Kindern haben sollten. Tatsache ist, dass in 14 der 25 Mitgliedsstaaten weniger als ein viertel der Bevölkerung ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare akzeptiert. Nach dem Eurobarometer 55, neigt die öffentliche Meinung dazu, mehr Toleranz gegenüber homosexuellen Ehen zu zeigen: 44% der Europäischen Bürger stimmen darin überein, dass derartige Ehen in Europa erlaubt werden sollten. Auch hier muss angemerkt werden, das einige europäische Länder von den Durchschnittswerten signifikant abweichen: Die Niederlande führen die Liste an mit 82% Zustimmung zur homosexuellen Ehe und 69% Zustimmung für ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Widerstand dagegen ist am stärksten in Griechenland, Lettland (beide 84%, respektive 89%) und Polen (76% und 89%).

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