1. Spezifische Definition häuslicher Gewalt im Kontext lesbischer Partnerschaften

Die sozialen Gefüge, in denen sich lesbische Frauen bewegen, sind vielfältig: So gibt es die Herkunftsfamilie ebenso wie die Wahlfamilie, die oft aus dem engsten Freundeskreis besteht; Einige lesbische Frauen haben zuvor in einer heterosexuellen Partnerschaft gelebt, einige sind biologische Mütter, andere wiederum sind Co-Mütter. Lesbische Paare teilen sich eine Wohnung, leben getrennt, andere wiederum leben in Wohngemeinschaften usw.

Die Gewalterfahrungen lesbischer Frauen reflektieren deren soziales Gefüge, so kann der Täter bzw. die Täterin die gegenwärtige Partnerin, eine ehemalige Partnerin, aber auch der ehemalige Partner sein. Häusliche Gewalt beschränkt sich allerdings nicht auf die Partnerschaft, sondern muss auch die Herkunftsfamilie einschließen: Viele lesbische Frauen erleben gerade in der Phase ihres Coming-out gewalttätige Übergriffe von Mitgliedern ihrer Herkunftsfamilien, d.h. ihren Eltern und Geschwistern. Da die Mitglieder der Wahlfamilie aber ebenfalls gewalttätig sein können, müssten diese theoretisch in die Definition häuslicher Gewalt als mögliche Tätergruppe einbezogen werden. Weil aber die Trennung zwischen guten Freunden/Freundinnen, die der Wahlfamilie zugehörig sind und anderen guten Freunden/Freundinnen in der Praxis schwierig ist, fassen wir die Wahlfamilie unter dem Begriff des „sozialen Nahraums“. Ehemalige Partner oder Partnerinnen können ihre Aggression nicht nur auf die ehemalige Partnerin richten, sondern auch gegen die neue Partnerin. Die hier kurz skizzierten Konstellationen zeigen eine große Vielfalt von Beziehungsrelationen auf, die die Grenzen einer definitorischen Beschränkung häuslicher Gewalt auf die Partnerschaft verdeutlicht.

Definition von häuslicher Gewalt in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften

(© Constance Ohms 2008)

Physische, psychische (emotionale und verbale) und sexualisierte Gewalt, Zwang und kontrollierendes Verhalten gegenüber einem schwulen, lesbischen, bisexuellen oder transgender Menschen durch seine/n gegenwärtigen oder ehemaligen weiblichen, männlichen oder transgender Partner/in oder eine Person der Herkunftsfamilie. Diese Definition bezieht Eltern, Brüder and Schwestern ebenso ein wie den ehemaligen (Ehe)Partner einer der Partner/innen als Täter ein.

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