3. Methoden

Die nachfolgend dargestellten Methoden eignen sich unseres Erachtens besonders für die vorab in Kap. 03 Theoretische Grundlagen dargestellten unterschiedlichen gewalttätigen Beziehungsdynamiken, die sowohl monodirektionale Gewaltverläufe als auch bidirektionale Dynamiken umfassen. Zugleich schließen wir nicht aus, dass weitere Ansätze in der Arbeit mit Täterinnen sinnvoll sein könnten.

Anschließend wird besonders das Verhaltenstraining detailliert dargestellt. Darin befinden sich Trainingsmodule, die sowohl geschlechts- als auch lesbenspezifisch gestaltet sind. Aufgrund seiner weit verbreiteten Anwendung liegt die Vermutung nahe, dass dieses Konzept auch seine Anwendung bei weiblichen, bzw. lesbischen Täterin findet. Unsere Erfahrung zeigt, dass es oftmals ohne weitere Differenzierungen auch bei weiblichen Tätern angewendet wird. In Folge dessen gibt es nur selten spezifische Angebote für Frauen; vielmehr werden diese in gemischgeschlechtliche Trainingskurse eingebettet, ohne auf die Besonderheiten von Frauen als Täterinnen einzugehen. Daher sehen wir eine Notwendigkeit darin, ein Konzept vorzustellen, welches den besonderen Lebenssituationen lesbischer Täterinnen gerecht wird. Es ist orientiert an dem „Duluth Model“, welches von Pence/Paymar Anfang der 90er Jahre entwickelt und von Constance Ohms in Hinblick auf lesbische Täterinnen modifiziert wurde.

Spezifische Angebote für lesbische Täterinnen sind im Allgemeinen nicht zu finden. Nur einige wenige lesbenspezifische Einrichtungen haben Angebote für lesbische Täterinnen. 

Die Verschiedenartigkeit der gewalttätigen Beziehungsdynamiken lässt allerdings den Schluss zu, dass kognitiv orientierte Verhaltenstrainings nur für einen geringen Teil der gewalttätigen Täterinnen eine Möglichkeit darstellt, den Gewaltzyklus zu durchbrechen.

Die Psychotherapieforschung hat sich bis heute nicht auf ein einstimmig akzeptiertes Forschungsparadigma zur Untersuchung der Psychotherapie einigen können, welches gesicherte Aussagen zur differenziellen Wirkung bestimmter Therapiemethoden für unterschiedliche seelische Beschwerden zulässt. Wir wählen aus den vielen verschiedenen Methoden für Psychotherapie und Beratung jene aus, die auch in den Praxisfeldern der beteiligten Kooperationspartnerinnen Anwendung finden. 

Einen systemischen Ansatz halten wir für unabdingbar, fokussiert er doch u.a. die Einbettung der Einzelnen in ein System, wobei „das System“ eine Einheit aus Einzelnen (Elementen) darstellt und mehr ist als deren bloße Summe. Diese Fachrichtung betrachtet demnach interpersonelle Beziehungen und Zusammenhänge in einem System als Grundlage der Arbeit.

Lesbische Frauen sind in soziale und emotionale Systeme eingebettet, wobei die Paarbeziehung das kleinste System darstellt. Gesellschaftliche Wertvorstellungen haben ebenso wie subkulturelle Wertsetzungen einen Einfluss auf das Verhalten, die Selbstwahrnehmung und den Selbstwert einer jeden lesbischen Frau. Auch bieten die sozialen Systeme ein breites Repertoire an Lösungsmöglichkeiten, bzw. ermöglichen den Zugang – oder eben die Verweigerung dessen – zu gesellschaftlichen Ressourcen.

Eine systemische Herangehensweise, im Sinne von „lösungsorientiertem und ressourcenorientiertem Arbeiten“, findet sich in allen Ansätzen der hier vorgestellten Arbeit mit gewaltausübenden Frauen wieder.

Die Traumatherapie bezieht sich vor allem auf die individuelle Biografie und geht davon aus, dass ein erlebtes Trauma und seine Folgen für Gewalthandlungen ursächlich sind. Als Trauma wird dabei im Allgemeinen die Verletzung der seelischpsychischen Integrität eines Menschen verstanden. Eine häufige Folge ist die Abspaltung (Dissoziation) von Persönlichkeitsanteilen und Gefühlen. Diese ermöglicht aus der Sicht der Traumatherapie die Ausübung von Gewalt, da auch Emotionen wie Unrechtsbewusstsein und Scham abgespalten werden können. Täterinnen werden dennoch nicht aus der Verantwortung genommen, vielmehr werden die Viktimisierungserfahrung und die aktuelle Gewaltanwendung in die Selbstwahrnehmung integriert. Abschließendes Ziel ist die Auflösung der Dissoziation, da aus Sicht der Traumatherapie nur darüber eine dauerhafte Beendigung der Gewalt möglich wird. Die Arbeit ist orientiert auf die Ressourcen des/der KlientIn.

Bei der Paarberatung / Paartherapie handelt es sich schließlich um eine Entwicklungsbegleitung eines Paares bei deren Wachstumsprozessen, auch wenn aufgrund der Gewaltausübung bzw. der Gewaltdynamik aktuell kein gemeinsames Wachsen vorhanden zu sein scheint.

Oftmals kommt ein Paar in die Beratung, mit dem Ziel, das Fortführen der Partnerschaft zu gewährleisten – was nicht immer erfüllt wird.
In der Diskussion um die Anwendung von Paarberatung / Paartherapie bei gewalttätigen Beziehungsverläufen stellt sich grundsätzlich die Frage, wann eine Paarberatung „notwendig“ und wann sie „möglich“ ist.
So bedarf es beispielsweise der aktiven Mitarbeit beider Partnerinnen und es darf sich nicht um eine Täterin/Opfer Struktur handeln. Paarberatung / Paartherapie sollte unserer Auffassung nach ihre Anwendung nur bei einer bidirektionalen Gewaltdynamik finden und ist daher nicht für alle Paare geeignet.

Seite 1 von 1
zum Anfang

Gefördert von: und
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Impessum | Übersicht