3.1.4 Netzwerke

Trainingskurse mit männlichen Tätern sind wirkungsvoller, wenn sie in ein Interventionsnetz eingebettet sind (Gondolf 2002). Das Risiko eines Rückfalls ist bei Männern, die freiwillig teilnehmen, höher als bei denjenigen, die von Gericht zugewiesen sind. Diese Tatsache lässt vermuten, dass ein starkes Netzwerk von Polizei, Gericht, Jugend- und Sozialamt, Ärzten, Frauenhäuser, Frauennotrufen usw. notwendig ist, um den Schutz des Opfers und die Chance, dass der Täter das Trainingsprogramm erfolgreich beendet zu erhöhen. Die Androhung rechtlicher Sanktionen, regelmäßige Überprüfung durch das Gericht und eine spezialisierte Bewährungshilfe sowie ein fortgesetztes Risiko-Management, verbessern das Ergebnis ebenfalls.

Da lesbische Frauen nur selten Anzeige erstatten, ist das skizzierte Netzwerk nicht wirkungsvoll bzw. hinreichend. Auch sind nicht in alle Interventionsnetzwerke staatliche Institutionen eingebunden: Während das in Deutschland üblich ist, finden sich andere Strukturen in den anderen europäischen Ländern.

Die Arbeit mit weiblichen/lesbischen Täterinnen bedarf eines Netzwerks, welches eine freiwillige Teilnahme und zugleich den besten Schutz für das Opfer ermöglicht. Die freiwillige Teilnahme beruht auf unterschiedlichen Motivationen, die Täterinnen leiden unter ihrem Verhalten, haben den Wunsch und den Willen, ihr Verhalten zu ändern, haben Angst, die Partnerin zu verlieren oder aber nehmen auf Wunsch der Partnerin teil.

Anforderungen an ein Netzwerk

  • Interventionsnetzwerke sollten interdisziplinär und intersektionell sein und sowohl staatliche Einrichtungen als auch Nichtregierungsorganisationen beinhalten. Sie sollten die Vielfalt von Frauen als Täterinnen, Opfer und als Frauen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen, sozialen Klassen, Wertvorstellungen usw. widerspiegeln. Es ist zwingend notwendig, dass sich alle Mitglieder eines Interventionsnetzwerkes der Vielfalt von Frauen bewusst sind. Die Vielfalt von Frauen sollte sich auch in den Maßnahmen widerspiegeln. Auch sollte die Arbeit mit Täter/innen – männlichen und weiblichen – Gegenstand der Debatten sein.
  • Da in einigen europäischen Ländern rechtliche Schritte gegen häusliche Gewalt auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften gelten, ist es notwendig, diese Tatsache den betroffenen Opfern und Tätern zu vermitteln.
  • Angebote sind notwendig – Lesbisch/schwule Einrichtungen müssen Angebote für lesbische und schwule Opfer und Täter/innen von häuslicher Gewalt zur Verfügung stellen;
  • Lesbisch/schwule Einrichtungen müssen darin geschult werden, die Opfer vor Gericht zu begleiten;
  • Lesbisch/schwule Einrichtungen müssen darin ausgebildet werden, mit lesbischen Täterinnen oder schwulen Tätern zu arbeiten;
  • Frauennotrufe und Frauenhäuser benötigen Informationen über LGBT Gruppen, die mit Opfern und/oder Täter/innen häuslicher Gewalt arbeiten;
  • Die Öffentlichkeitsarbeit der Interventionsnetzwerke sollten häusliche Gewalt in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften benennen;
  • Polizeiliche Kontaktbeamte sollten in die Interventionsnetzwerke einbezogen werden;
  • Es muss eine Verweisdatei erstellt werden.

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Gefördert von: und
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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