3.4 Paartherapie/Paarberatung

© Martina Frenznick, Berlin 2007

Überblick

Paarberatung und Paartherapie sind Formen der Beratung und Psychotherapie, die der Bearbeitung sowohl akuter oder chronischer Konflikte als auch Fällen von Gewalt in einer Paar- bzw. Zweierbeziehung dient.

Im Weiteren verwende ich den Begriff Paararbeit stellvertretend für Paarberatung und Paartherapie. Beide Begriffe an sich beschreiben verschiedene Settings, in denen zum einen verschieden gearbeitet wird und zum anderen auch unterschiedliche Ziele verfolgt werden; sie sind also nicht austauschbar oder synonym. Im hier dargestellten Rahmen sind immer beide Settings gemeint, die Unterschiedlichkeiten sind für diesen Zusammenhang nicht vordergründig.

In der Paararbeit wird die Beziehung als „die Klientin“ betrachtet, d.h. die Beziehung steht im Mittelpunkt der Arbeit mit dem Paar. Der Fokus der Interventionen, der Empathie und der Parteilichkeit seitens der Paarberaterin/Paartherapeutin gilt der Beziehung. Wichtiges Element ist der Kontakt und die Kommunikation der Individuen, die das Paar bilden, miteinander bzw. andererseits die Störung des Kontaktes und der Kommunikation.

Im Blick der Paararbeit ist ein Paar mehr als die Summe der Einzelteile, der einzelnen Individuen. Entsprechend gibt es „mehrere Wahrheiten“ über Situationen, Ereignisse, Konflikte innerhalb einer Paarbeziehung – meistens zwei verschiedene Wahrnehmungen und Wahrheiten (je Partnerin), manchmal auch noch eine dritte, die sog. Beziehungswahrheit. Mit diesem Phänomen wird in der Paararbeit gezielt gearbeitet, z.B. mittels einer Meta-Analyse mit dem Paar gemeinsam.

Paararbeit ist kein einheitliches Verfahren, keine in sich geschlossene Methodenlehre. Vielmehr sind die verschiedenen Methoden, die im Rahmen von Paarberatung und Paartherapie verwandt werden, ebenso wie die Haltung und das Menschenbild sowie die Modelle zur Erklärung, wie sich Konflikte und Gewaltausübung in Paarbeziehungen entwickeln und aufrechterhalten werden, beeinflusst und geprägt durch viele unterschiedliche Therapieschulen und Beratungskonzepte. Beispielhaft seien hier NLP (Neurolinguistisches Programmieren), Psychodrama, Gestaltarbeit, systemische Therapie, Familientherapie, Transaktionsanalyse genannt.
Entsprechend der Vielfältigkeit und Verschiedenartigkeit von Paarberatung und Paartherapie sind sie grundsätzlich für alle Paare geeignet.

Eine Grundvoraussetzung ist jedoch – wie bei allen anderen Therapieformen und Beratungsprozessen auch – die Fähigkeit zur Reflexion über die eigene Person und das eigene Handeln. Des Weiteren sind der Wille jeder an der Paarbeziehung beteiligten Personen, etwas am bisherigen Verhalten zu verändern sowie eine Einsicht in diese Veränderungsnotwendigkeit und die Entscheidung, diese Veränderung auch umzusetzen unabdingbar.

Hinsichtlich der Arbeit mit Täterinnen ist wichtig zu beachten:

Für die meisten Paare mit monodirektionalen Gewaltverläufen, also einer klassischen Täterin/Opfer-Dynamik, findet Paararbeit eher keine Anwendung. Bei Paaren mit bidirektionaler Gewaltdynamik stellt diese Unterstützungsform jedoch eine angemessene und geeignete Methode dar.

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