3.2 Systemische Therapie

Überblick

Als Systemische Therapie wird eine psychotherapeutische Fachrichtung beschrieben, die für die Diagnose und Therapie von seelischen Beschwerden und interpersonellen Konflikten interpersonelle Beziehungen und systemische Zusammenhänge in einer Gruppe (auch z.B. Paar oder Familie) heranzieht.

Grundlage ist die sogenannte systemische Metatheorie von Ludwig von Bertalanffy, die ein allgemeingültiges, auf die verschiedensten Systeme anzuwendendes Modell mit gemeinsamen Gesetzmäßigkeiten und deren prinzipiellen Grundannahmen beschreibt.

Ein System ist hierbei eine Einheit aus Elementen – und dieses mehr als deren bloße Summe.

Die Elemente haben untereinander und zu anderen Systemen Beziehungen. Dadurch entstehen Wechselwirkungen, anders und mehr als linear kausale Wirkungen zwischen zwei Einzelnen.

Jedes System hat eine innere Ordnung, die es selbst und alle am System Beteiligten in einer Art Gleichgewicht hält. Wird diese Balance gestört, sei es in einer Familie durch z.B. Entwicklung der Kinder zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie dem Auszug aus dem Elternhaus oder innerhalb einer Paarbeziehung durch z.B. Arbeitsplatzverlust einer der PartnerInnen, gerät das System aus dem Gleichgewicht und dadurch in eine bedrohliche Lage. Um diese Bedrohung abzufedern, „entwickelt“ immer mindestens eine Person Symptome wie z.B. Verhaltensauffälligkeiten, psychische Störungen oder Erkrankungen.

Im Bereich von systemischer Beratung und Therapie gibt es ein großes Angebot von hilfreichen Theorien und Verfahren. Viele davon sind wissenschaftlich gut abgesichert und in ihrer Wirkungsweise belegt. Im Rahmen dieses Kapitels werden die verschiedenen Interventionen und methodischen Verfahren nicht ausführlich beschrieben, auch kann nur ein grober theoretischer Überblick gegeben werden.

Aus den systemischen Therapieverfahren (z.B. durch die amerikanische Therapeutin Virginia Satir) hat sich die Methodik der Familien-Skulptur (Familientherapie) oder Familienrekonstruktion entwickelt, die es erlaubt, biographische Muster und Verhaltensweisen zu identifizieren und bei Bedarf zu verändern.

Sinn dieser Interventionen ist, das System (aus Familienmitgliedern und / oder wichtigen Anderen) in ihren Interaktionsmustern zu verstören und folglich sekundär die beklagte Symptomatik zu verändern.

Philosophie / Menschenbild

Fokus der systemischen Therapie und Beratung ist die „Person-in-ihrer-Welt“ (person-in-environment) im Rahmen eines ganzheitlichen bio-psycho-sozialen Verständnisses von Gesundheit, Störung und sozialen Problemen.

Generelles Ziel ist die Einbeziehung von exkludierten (isolierten), gefährdeten, erkrankten (symptomatischen) und behinderten Menschen.

Das wichtigste Moment ist das der Orientierung an den Ressourcen.

Im psychotherapeutischen Kontext beschreibt dies das therapeutische Ziel, der Klientin / dem Klienten die eigenen Ressourcen (Quellen von Kraft und Wohlbefinden) und die eigenen Stärken deutlich und wieder selbst nutzbar zu machen.

Ressourcen sind materielle und immaterielle Güter und Werte, die einzelne Personen, aber auch Teams, Arbeitsgruppen und komplexe Systeme zur Handlung befähigen.

Die Orientierung an Ressourcen (Kraft- und Energiequellen, Lösungskompetenzen, Lösungswegen und –bildern etc. von Personen oder Systemen) fokussiert im Gegensatz zur Orientierung an Defiziten (Fehlern, Mängeln etc.) auf das Herausfinden, Zugänglichmachen und Aktivieren von Ressourcen und das Bestärken von vorhandenen Stärken, um Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen sowie Ziele oder Visionen zu erreichen. Im Sinne von lösungsorientierten Therapie- und Beratungsformen meint dies auch, mehr von dem zu tun, was gut läuft und weniger von dem, was schlecht läuft.

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