3.3 Traumatherapie

© Martina Frenznick, Kristin Marunke 2008

Überblick

Die Traumatherapie ist ein eigenständiger Bereich der Psychotherapie und beschäftigt sich mit der Erforschung und Behandlung von schwerwiegenden psychischen Verletzungen. Ein Trauma wird dabei definiert als "...ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt." (Fischer & Riedesser, 2003, S. 375). Diese Traumatisierung kann in allen Lebensbereichen stattfinden: in der Individualbiographie, im bisherigen Beziehungsleben, in der aktuellen Beziehung und durch Retraumatisierung.

Traumatische Erfahrungen haben Folgen, die auch über viele Monate/Jahre wirksam sein können: Wiedererleben des traumatischen Ereignisses (bspw. in Träumen), Vermeidung von Reizen, die mit dem Trauma verbunden sind und eine erhöhte Erregbarkeit (Diagnostische Kriterien einer basalen Psychotraumatischen Belastungsstörung nach DSM IV, ICD-10 analog). Die Beschwerden sind unter anderem auf neurobiologischer Ebene erfass- und erklärbar, können auf psychologischer Ebene aber auch transgenerational weiter gegeben werden. Oft bleibt das Erlebte ohne Sprache, wird fragmentiert gespeichert und kann daher nicht in bisherige und aktuelle Erfahrungen eingebettet werden. Auch sind traumatische Erfahrungen nicht immer dem Bewusstsein zugänglich, vor allem dann, wenn sie in der frühen Kindheit stattfanden. Betroffene merken manchmal erst Jahre später durch eine auf den ersten Blick nicht mit einem Trauma in Zusammenhang stehende Erfahrung, dass etwas nicht stimmt: Die fragmentierten Erinnerungen wurden durch äußere Reize aktiviert und in Gang gebracht.

Im Mittelpunkt der Traumatherapie stehen vor allem Opfer und seltener TäterInnen - auch wenn sich gezeigt hat, dass beispielsweise bei Sexualstraftätern Traumatherapie langfristig erfolgreicher sein kann als kognitive Verhaltenstherapie (Vgl. Huber, 2006). In Hinblick auf die TäterInnen ist sie sowohl bei "klassischen" TäterIn-Opfer-Beziehungen geeignet, als auch für Paare, bei denen beide PartnerInnen Gewalt ausüben.

In Bezug auf die Methoden lässt sich feststellen, dass jede große Schule der Psychotherapie ihre eigenen Ansätze verfolgt.  Diese werden in der Praxis der Traumatherapie vor allem durch die sich einander ergänzenden Verfahren EMDR (Eye Movement Desentization and Reprocessing), Debriefing, imaginative und narrative Verfahren sowie durch somatic experiencing und verhaltenstherapeutische Verfahren integriert. Auf Grund dieser Vielfältigkeit ist Traumatherapie zunächst für jede und jeden geeignet. Grundbedingung ist aber wie bei allen Therapien die Einsicht und der Wille, etwas zu verändern, sowie die Retrospektions- bzw. Reflektionsfähigkeit des/der KlientIn.
Für BeraterInnen und TherapeutInnen ist daher ein Hintergrundwissen über die Einbettung der Beziehung - und damit ein Wissen über die Normen und Werte der Community - unverzichtbar. Die LGBT-Subkultur unterstützt durch Verschweigen oder Normalisieren häuslicher Gewalt oftmals die Täterinnen. Dadurch wird die Einsicht in die Unrechtmäßigkeit von Gewalt für die Täterin erschwert - das Opfer erfährt durch beharrliches Schweigen seitens der Community oftmals eine weitere Traumatisierung. Wird dies in Beratung und Therapie nicht beachet, kann jede Form der Unterstützung nur begrenzt wirksam sein.

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