2. Vorangestellte Überlegungen

  • Vorrangiges Ziel jeglicher Arbeit ist die sofortige Beendigung der Gewalt.
  • Der Fokus der Arbeit liegt auf der Gewalt.
  • Um mit der Klientin zu ihrem gewalttätigen Verhalten arbeiten zu können, muss eine minimale Einsicht in ihr Fehlverhalten vorliegen. Damit geht das Bewusstsein einher, ein Unrecht begangen zu haben.
  • Wenn man mit lesbischen Frauen arbeitet, ist es unabdingbar, ihre lesbische Beziehung mit einzubeziehen, d.h. ihre Partnerschaft in einem gesellschaftlichen und subkulturellen Kontext zu sehen.
  • Es wird eine Anti-Gewalt-Vereinbarung (Anti-Gewalt-Vertrag) mit der Klienten getroffen, die u.a. regelt wie Rückfälle gehandhabt werden. Die Vereinbarung kann auch in einem therapeutischen Setting getroffen werden.
  • Da in vielen Fällen die Gewalt mit Suchtstrukturen einhergeht, sollte sichergestellt werden, dass die Klientin zu den Sitzungen „nüchtern“ kommt. Weiterhin muss festgestellt werden, welche Rolle die Suchtstruktur in der gewalttätigen Beziehungsdynamik spielt. Dennoch sollte der Fokus der Beratung/Therapie auf der Gewalt und nicht auf dem Substanzmittelmissbrauch liegen. In einigen Fällen ist es sinnvoll, zusätzlich zur Beratung/Therapie eine weitere Suchtberatung/Suchttherapie vorzuschlagen.
  • Die psychosoziale Arbeit zu Gewalt ist nicht auf das individuelle Verhalten begrenzt, sondern beinhaltet ebenso eine Analyse der Strukturen, die Gewalt begünstigen. Viele lesbische Paare bewegen sich in einer Umgebung, in der der Gebrauch von Gewalt „normalisiert“ wurde, beispielsweise wenn der Freundeskreis andere Paare umfasst, in denen ebenfalls Gewalt verübt wird. Diese Strukturen müssen ebenfalls in der Beratungsarbeit bzw. Therapie aufgegriffen werden.
  • Eine weitere unabdingbare Voraussetzung in der Beratung/Therapie ist, dass sich die Beraterin/Therapeutin, die mit gewalttätigen Klientinnen arbeitet, mit ihren eigenen gewalttätigen Anteilen auseinandergesetzt hat. Desgleichen gilt für die Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung. Es gibt keine Verbindung zwischen dem Lesbischsein und dem Gebrauch von Gewalt.
  • Nach unserer Erfahrung üben gerade Gewalttäterinnen eine große Faszination auf andere Frauen aus, weil sei gesellschaftliche Grenzen und Regeln überschreiten, die man selbst nicht verletzt. Deshalb strahlen sie eine vermeintliche „Verwegenheit“ aus. Daher ist nicht auszuschließen, dass die Täterin auch eine gewisse Faszination auf die Beraterin/Therapeutin ausübt. Daher ist es zwingend notwendig, dass diese ihre Beziehung zu ihrer Klientin regelmäßig überprüft. 
  • In der psychosozialen Arbeit mit lesbischen Täterinnen sind Supervision und Evaluation der Arbeit unabdingbar.
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