1. Das gehütete Geheimnis: Der Umgang mit häuslicher Gewalt in der lesbischen Community

Lesbische Partnerschaften sind zugleich in die Gesellschaft im Allgemeinen und in eine Subkultur eingebettet, in der subkulturelle Normen und Werte entstehen und vermittelt werden. Für die Entwicklung von spezifischen Täterinnenprogrammen für lesbische Frauen und für die Implementation von Interventionsnetzwerken ist es notwendig, lesbische Lebensweisen und die lesbische Community näher zu beleuchten.

Häusliche Gewalt ist ein Phänomen mit dem in der lesbisch-schwulen Subkultur nicht offen und offensiv umgegangen wird. Die überwiegende Mehrheit lesbischer Opfer und lesbischer Täterinnen sucht in ihrem Freund/innenkreis Unterstützung, wo der Übergriff in der Regel keine weitere Öffentlichkeit erfährt. Das Schweigen in der lesbischen Community lässt vermuten, dass eine gewaltfreie Partnerschaft keinen gemeinsamen subkulturellen Wert darstellt. Stattdessen wird mit gewalttätigen Vorfällen in der Subkultur derart umgegangen, dass die beteiligten Frauen ausgeschlossen werden und ihre „Privatangelegenheiten“ außerhalb der Räume der Community klären mögen. In der kollektiven Selbstwahrnehmung der lesbischen Subkultur ist der Mythos tief verankert, dass das Öffentlichmachen von häuslicher Gewalt Vorurteile gegenüber Homosexuellen bestärken könnte (vgl. Kap. 9.1.1).

Eine weiterer Grund, warum gewalttätige Partnerschaften nur sehr selten thematisiert werden, kann in der Definition häuslicher Gewalt gefunden werden: Nach Hageman-White (2006:8) wird häusliche Gewalt in den meisten europäischen Ländern definiert als „physische, psychische und sexuelle Gewalt von Männern an Frauen“. Diese Definition verschließt sich der Gewalt in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und trägt so zur Unsichtbarkeit des Problems innerhalb der lesbischen Community bei. Auch  trägt sie dazu bei, die lesbische Subkultur an sich auszugrenzen. Das wiederum kann lesbische Täterinnen in ihrer Wahrnehmung bestärken, rechtens zu handeln.  

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