1.2.1 Normalisierung der Gewalt

Demzufolge hat eine „Normalisierung der Gewalt“ innerhalb der lesbischen Community stattgefunden: Missbrauch und Gewalt werden als normale Aspekte lesbischen Lebens erachtet. Die Grenze zwischen einem „normalen“ akzeptierten und einem missbräuchlichen/gewalttätigen Verhalten verwischen. Lesbische Opfer sind in ihrer Wahrnehmung verunsichert ob sie ‚Gewalt’ erfahren haben und suchen sich keine Unterstützung; auch wissen sie nicht, ob ihre Erfahrung hinreichend ‚schwerwiegend’ ist, um als ‚Gewalt’ oder ‚Misshandlung’ bezeichnet zu werden. Da zudem niemand einschreitet, verharren lesbische Täterinnen in dem Glauben, dass ihr gewalttätiges Verhalten akzeptiert wird. Häufig ist es jedoch so, dass der Freund/innenkreis, der ja die erste Anlaufstelle ist, sich überfordert fühlt und nicht weiß, was er tun soll.

Aber ohne eine Rückmeldung, die sich gegen die Gewalt positioniert, wird obendrein dem Opfer gespiegelt, dass das gewalttätige Verhalten allgemein akzeptiert wird. Das kann dazu beitragen, dass das Opfer in seiner Wahrnehmung bestärkt wird, selbst ‚Schuld’ an der Gewalt zu sein. Da missbräuchliches und gewalttätiges Verhalten offenbar ein akzeptierter Bestandteil lesbischen Lebens ist, ist es für das Opfer um so schwieriger, wahrzunehmen, dass es sich in einer gewalttätigen Beziehung befindet; das Opfer kann diese Erfahrung als ‚Schicksal’ ansehen oder aber glaubt, dass es das wegen seines Lesbischseins verdient hat.

Gewalt in lesbischen Beziehungen kann nicht betrachtet werden ohne die Auswirkungen von Diskriminierung und Ausgrenzung auf lesbische Partnerschaften einzubeziehen. Wenn man folglich deren Auswirkungen auf lesbische Beziehungen analysiert, kann häusliche Gewalt als Fortschreibung von Diskriminierung betrachtet werden. Das Risiko einer „sekundären Opferwerdung“ hält Opfer und Täterinnen davon ab, sich die notwendige Unterstützung zu suchen. Das wiederum trägt zu einer kollektiven und individuellen Verarbeitungsstrategie bei, Gewalt zu normalisieren.

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